Neuwerk
Eine inmitten des Wattenmeeres der Elbmündung entstandene Insel, die korrekter Weise eine Hallig ist, wurde zunächst "Nige Ooge" (Neues Auge) genannt. Erst nach dem 1299 - 1310 ein gewaltiger Wehrturm, das Neuwark (Neue Werk), erbaut worden war, ging dieser Name auf die Insel über.
Für den Sockel des Wehrturmes, auf einer künstlichen Warft, wurden zunächst gewaltige Balken kreuzweise übereinander geschichtet und darüber eine 3 m hohe Schicht aus Findlingen gestapelt. Dieses solide Fundament trug dann nicht nur den Backsteinkoloß mit den 2 m dicken Mauern, sondern trotze bis zur Eindeichung der Insel 1560 dem " blanken Hans" bei Sturm.
Der Turm sollte das Eiland vor Seeräubern schützen und hatte deshalb eine militärische Besatzung. Er war über eine aufziehbare Leiter zu erreichen. Außerdem stellte der Neuwerker Turm ein markantes Sichtzeichen am gefährlichen Seeweg der Außenelbe dar, der damals nur bei Tage befahren wurde.
Zu den ältesten Seezeichen der Insel zählen neben dem Wehrturm die Nord- und Ostbake. Bereits 1462 gab es einfache Spierenbaken in Gestalt eines Pfahles, der ein hochkant gestelltes Faß trägt.
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Bereits in der Zeit der Neuwerker Kohlenblüse (1644 bis 1815) war sie als Gerüstbake aufgeführt. Der Standort war so gewählt, daß ihr Lattenwerk das Blüsenfeuer verdeckte, sobald einlaufende Schiffe den Ort erreicht hatten, an dem sie eine bestimmte Kursänderung vornehmen mußten. Wegen dieser Funktion hieß sie auch im 18. Jahrhundert Verdunkelungsbake.
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Erst 1644 richtete man in der Nähe des Wehrturmes eine Kohlenblüse als Nachtsichtzeichen ein, die 170 Jahre in Betrieb war. Sie geriet während dieser Zeit dreimal in Brand, mußte wegen Uferbruchs versetzt werden und wurde einmal vom Sturm umgeweht.
Die Vorläufer unserer heutigen Leuchtfeuer an Nord- und Ostsee waren Blüsen. Ihr gemeinsames Merkmal war nicht eine bestimmte Bauweise, sondern allein die Technik der Befeuerung. Blüsenfeuer waren stets offene Feuer, sie brannten ungeschützt unter freiem Himmel. In älterer Zeit wurden sie mit Holz und später mit Steinkohle beschickt.
Die Neuwerker Blüse bestand im 18. Jahrhunderts aus stämmigen, dreigeschossigem Balkenwerk von 23 Metern Höhe und ca. 10 Metern Basisdurchmesser. Auf die obere Plattform war ein Podest aufgemauert, in den ein Kohlenrost eingelassen war. Die Feuerstelle war über ein dreiteilige Treppe zu erreichen. Das sogenannte Wachhaus, eine heizbare Wärterkammer, befand sich im zweiten Stock. Die Unterhaltung der Blüse fiel in die Zuständigkeit der Hamburger Admiralität, die auch das Personal stellte. Der Blüsenmeister oder Blüsner, sowie zwei Knechte betrieben den Turm.
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Die Blüsenfeuer hatten den Nachteil, daß sie abhängig von Wind und Wetter waren. Bei Windstille qualmten und schwelten sie, bei starkem Wind brannten sie schnell herunter oder bei Sturm wurden sie niedergedrückt.
Auch die Betriebskosten waren enorm. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts wurden für Helgoland und Neuwerk 360,000 kg Kohle im Jahr importiert. 8700 Reichstaler waren dafür ab Grube und nochmals die gleiche Summe für den Transport zuzahlen. Die Kosten stiegen noch erheblich an, als man 1761 auf die ganzjährige Befeuerung umstellte, dafür benötigte man 1.000.000 kg Importkohle.
Die Feuerblüse Neuwerk wurde vermutlich 1815 abgebrochen. Sie war das erste bekannte Leuchtfeuer der Elbe. Ein Nachbau der Blüse stand von 1979 - 1994 im Freigelände des Deutschen Schiffahrtsmuseums in Bremerhaven.
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Auf der Steinplatte am Eingang des Turmes steht zu lesen: Ich wurde 1310 von derFreien und Hansestadt Hamburg erbaut und sichere die Elbmündung, seit 1814 weise ich als Leuchtturm der Schiffahrt den Weg.
Die Repsoldsche Laterne war von gleicher Form und Größe wie im Wehrturm. Das Licht der 15 Parabolscheinwerfer, die Repsold auch hier in Doppelreihe aufgehängt hatte, schien 18 Meter über den Meeresspiegel.
Mit dem Neuwerker Doppelfeuer bot Hamburg eine damals noch sehr ausgefallene Orientierungshilfe, heute nennt man sie Richtfeuer. Die beiden Türme standen so zueinander, daß die Verlängerung ihrer Verbindungslinie mit der Kurslinie übereinstimmte, die von Nordwesten kommende Schiffe einhalten mußten, um über die Untiefe "Vogelsandsteert" zu gelangen. Die Schiffer brachten die beiden Feuer in Deckpeilung und hatten so eine Richtlinie in der Elbe.
Als Ende des vorigen Jahrhunderts der große Vogelsand weiter nach Westen driftete wurde die Richtfeuerlinie unbrauchbar. Der kleine Leuchtturm hatte auch durch den Einsatz von Feuerschiffen seine Bedeutung verloren. Am 16. Juni 1885 erlosch das Licht des Leuchtfeuers. Bei umfangreichen Modernisierungsarbeiten am großen Leuchtturm 1892 diente der Leuchtturm nochmals als Leuchtfeuer. 1909 wurde das Bauwerk abgebrochen.
Auch im Neuwerker Leuchtturm ist es möglich, zu übernachten.
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