Borkum

Landmarken
Navigation - die Bestimmung von Standort und Kurs auf See - war in früherer Zeit nur in Küsten- oder Inselnähe möglich. Die Küstenschiffahrt fand früher nur am Tage statt. Zur Orientierung dienten unter anderem Kirchen und markante Punkte an Land, sogenannte "Vertoonungen". Hier auf einer Abbildung von einer alten holländischen Seekarte. Auch in heutigen Handbüchern zu den Leuchtfeuerverzeichnissen sind diese Markierungen noch verzeichnet.

So wurde auch 1576 der Turm der Borkumer Kirche im Auftrage der Emdener Kaufmannschaft erhöht. Die ersten Fahrwassertonnen wurden etwa zur gleichen Zeit ausgelegt.

Um das Erreichen der Insel zu erleichtern wurden 1628 auf dem Westland und 1794 auf dem Ostland jeweils zwei Baken oder Kaaps errichtet. Diese Baken mußten im Dreipunktverfahren angesteuert werden, so daß die Ansteuerungstonne Osterems auf der Linie Großes Kaap - Alter Turm und die Westeremstonne Kleines Kaap - Alter Turm liegen mußte.

Kleines KaapGroßes KaapKugelbake

Die heute noch vorhandenen Kaaps wurden 1872 nach dem deutsch-französischen Krieg von Preußen erbaut. Aus roten Klinkern mit hölzernen Toppzeichen entstanden unter anderem das Große Kaap (linke Abb.) und das Kleine Kaap, wobei das Große 23 m und das Kleine 11,7 m hoch ist. Weiter südlich in Höhe des kleinen Leuchtturms stand früher noch ein 20 m hohes Kaap. Etwa aus dieser Zeit stammt auch die Kugelbake im Südwesten der Insel. Die Form des Toppzeichens des Kleinen Kaaps ist wie ein Stundenglas, dem seemännischen Zeichen für Westen.

Feuerblüse
Das erste Leuchtfeuer, die Borkumer Kohlenblüse wurde am 15. Dezember 1780 beim Nordkaap gezündet. Die aus einem Pfahlgerüst, mit quadratischer backsteingemauerter Plattform, bestehende 11 m hohe Feuerbake wurde 1792 auf 14,5 m erhöht. In der Mitte der Plattform befand sich ein 50 cm großer Feuerkorb mit grobem Eisenrost. Zur Befeuerung wurde schottische Steinkohle verwandt, wegen des hohen Fettgehalts. Als die Bake den Anforderungen nicht mehr genügte, entschloß man sich zum Umbau des alten Kirchturmes als Leuchtturm.

In alten Segelanweisungen war der Turm der Borkumer Kirche als Tagessichtmarke bereits erwähnt. Aus übrig gebliebenen Steinen vom Bau des Emdener Rathauses erhöhte man 1576 den Turm auf 41 m. Der Turm ging zu dieser Zeit auch in den Besitz der Stadt Emden über. Im oberen teil war das Mauerwerk durchsehbar. Bei genauer Südstellung konnten die Seeleute in Deckpeilung (eine Linie) gebracht die äußerste Osteremstonne finden. Bei der Erneuerung des brüchigen Mauerwerks 1780 wurden die Öffnungen zugemauert und der Turm mit quadratischen Eichenbalken versteift.

Alter Leuchtturm
1817 wurde das Spitzdach abgetragen und der Turm erhielt eine Repsoldsche Laterne. Diese Laterne bestand aus einem zylindrischen Unterteil (Durchmesser 4,2 m) auf das eine Metallrippenkonstruktion aufgeschraubt war, in die Fenster aus Spiegelglas eingesetzt waren. Unterhalb der Laterne entstand der Wärterraum, wo ein eiserner Ofen zum Heizen des Raumes und der Laterne aufgestellt wurde. Von diesem Geschoß führten 2 Treppen nach oben, eine zu einer Plattform zum Reinigen der Laterne, die andere zur Beleuchtungseinrichtung. Als Leuchteinrichtung waren 27 Argandsche Lampen, die mit Rüböl oder Waltran betrieben wurden, aufgestellt. Am 12. März 1817 nahm der 45 m hohe Leuchtturm seinen Betrieb auf. Die Feuerhöhe war 40,8 m über Mittelhochwasser und 39,5 m über dem Erdboden. Ein Umbau des Leuchtfeuers auf das Fresnelsche System erfolgte 1857. Die Laterne wurde demontiert und durch eine eiserne Laterne mit kegelförmigen Dach ersetzt. Als Leuchteinrichtung war ein Fresnelscher Linsenapparat II. Ordnung von 1,40 m Durchmesser und einer Brennweite von 700 mm im Turm. Die Rüböllampen mit 3 konzentrischen Dochten verbrauchten 350 gr stündlich und 1500 kg jährlich. Die Sichtweite des Feuers war 18 Seemeilen. Die Mannschaft des Turmes bestand aus 3 Leuchtturmwärtern. In der Nacht zum 15.2.1879 bei einem Nordweststurm setzte das Ofenrohr des Wärterraumes die Dachkonstruktion in Brand und das Leuchtfeuer wurde völlig vernichtet. Bis zur Fertigstellung des neuen Leuchtturmes brannten an einem Signalmast 3 Leuchten des Reservefeuerschiffes EIDER.

Großer Leuchtturm
Bereits vor dem Brand des alten Leuchtturmes war der neue Borkumer Leuchtturm schon in der Planung, die nach dem Feuer forciert wurde. Das preußische Handelsministerium beauftragte die Wasserbauinspektion mit der Einleitung des Baus. Baumeister des Turme wurde der Bauunternehmer Schumacher aus Leer, der bereits den Leuchtturm Norderney erbaut hatte. Wegen der Unwegsamkeit des Geländes richtet er zum Materialtransport eine Pferdebahn von der Fischerbalje zur Baustelle ein. Teile der Bahn werden heute noch von der Inselbahn genutzt. Am 1. Mai 1879 wurde der Grundstein für den 60,2 m hohen Turm gelegt. Auf einem 15 m hohen sechseckigen Sockel wurde der sich nach oben verjüngende Turm aus Klinkermauerwerk gebaut. Im ganzen wurden für das Bauwerk 1.760.000 Steine verwandt. Über eine um den Gewichtsturm gewendelte Steintreppe von 315 Stufen gelangt man in den Laternenvorraum. Von dort führte eine Leiter in die Laterne von 3,5 m Durchmesser mit kegelförmigen Dach. Als Leuchteinrichtung war eine von der Firma Sautter, Lemiert & Cie., Paris hergestellte und von der Firma Veitmeyer, Berlin gelieferte Fresnelsche Drehlinsenoptik 1. Ordnung eingebaut. Die Lichtquelle war ein fünfdochtiger Farquar Petroleumbrenner, der um eine senkrechte Achse angeordnet war. Das Einstellen der Flamme war eine der wesentlichsten Aufgaben der Leuchtturmwärter, sie sich im Dienst abwechselten. Ein Uhrwerk sorgte für die regelmäßige Unterbrechung der Lichtsignale, die sogenannte Kennung.

In einer Höhe von 46,5 m in einem Seitenfenster des Turmes wurde 1891 ein Nebenfeuer mit einer Gürtellinse, die mit einer Petroleumlampe betrieben wurde, in Betrieb genommen. 1901 soll die Nebenfeueroptik erneuert worden sein. Eine weitere Änderung erfolgte 1905 beim Haupt- und 1911 beim Nebenfeuer mit dem Einbau von Petroleumglühlichtbrennern. Die Umstellung auf elektrischen Betrieb erfolgte 1925. Das Hauptfeuer erhielt eine Glühstrumpflampe von 1000W/220 V und das Nebenfeuer eine 100W/200V-Glühlmape mit Rückspiegel. Die alte Optik des Nebenfeuer wurde ausgebaut und durch eine neue Gürtelleuchte ersetzt. Die Stromversorgung erfolgte aus dem Borkumer Ortsnetz, die Notstromversorgung kam vom 1889 erbauten kleinen Leuchtturm. Während des 2. Weltkriegs war das Leuchtfeuer nicht in Betrieb.

Das Nebenfeuer wurde 1961 in ein Leit- und Quermarkenfeuer für die Westerems geändert. Der Leitsektor wurde durch 2 Blitzsektoren begrenzt, die durch Otterblenden mit elektrischem Antrieb erzeugt wurden. Das Seitenfenster des Turmes mußte wegen des erforderlichen Otterblendenabstandes zur Erziehung der ausreichenden Schärfe der Sektoren erkerartig ausgebaut werden. Seit 1976 ist im Leitfeuer ein Präzisionssektorenfeuer mit Halogenlampe als Lichtquelle und aspärischem Spiegel eingebaut. Der große Leuchtturm Borkum wird heute von der Revierzentrale Knock ferngesteuert. Sein Hauptfeuer ist 21 Seemeilen weit sichtbar. Im Jahre 2004 fand eine Moderniserung der Leuchtfeuereinrichtung statt. Siehe dazu den Bericht der Fachstelle für Verkehrstechnik.

Kleiner Leuchtturm
Auf der Südseite der Insel Borkum wurde in den Jahren 1887 - 1889 von der Isselburger Hütte der kleine Leuchtturm erbaut. Hierzu fertigte man gußeiserne Platten aus denen der 16 eckige Turm erbaut wurde. Er steht auf einem 2,50 m starken Betonfundament. Der rot-weiß- gestrichene Turm trug anfangs ein grünes Kuppeldach und erhielt 1966 bei Anschluß an die Radarkette ein neues Laternenhaus. Der kleine Leuchtturm war der erste elektrisch betriebene Leuchtturm, daher wird er auf Borkum auch elektrischer Turm genannt. Er zeigt für die Einfahrten von der See durch die Riffs in die Ems, das Westerems- und Hubertgatt-Fahrwasser je ein Leitfeuer mit festem Licht und Blitzkennung. Als Lichtquelle diente eine Bogenlampe mit waagerechten Kohlestäben, die auf einem Wagen montiert waren. So konnte der Lichtbogen der Lampe in den Brennpunkt der 1,20 m hohen Gürtelleuchte gefahren werden. Heute ist der Turm an das örtliche Stromnetz angeschlossen, früher erfolgte die Stromerzeugung über zwei Dampfmaschinen im Maschinenhaus neben dem Leuchtturm, später durch Dieselaggregate. Für den Notfall ist noch ein Dieselaggregat vorhanden. Inzwischen wurde die Kohlenbogenlampe durch eine moderne Glühlampe ersetzt. Auch dieser Turm wird von Knock ferngesteuert und überwacht. Seit 1983 ist in dem Bauwerk ein Präzisionssektorenfeuer für das Hubertgatt mit einer Tragweite von 30 Seemeilen eingebaut.

Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass 1900 von dem kleinen Leuchtturm mit einer Marconi-Anlage durch die Leuchtturmwärter die erste Küstenfunkstelle der Welt betrieben wurde. Sie war durch den Norddeutschen Lloyd eingerichtet worden und stand in der Regie des Reichspost- und Telegrafenamtes.

Düne
Etwa 600 m vom kleinen Leuchtturm entfernt wurde 1928 durch das Wasser- und Schiffahrtsamt Emden das Quermarkenfeuer Düne erbaut. Die 8 m hohe Gitterbake mit dreieckiger nach vorne abgerundeter Laterne wurde von Anfang an elektrisch betrieben und war mit einer Gürtelleuchte bestückt. Als Lichtquelle diente für die Haupt- und Reserveleuchte Glühlampenlicht. Die Stromversorgung erfolgte über ein Kabel von der Ortssteueranlage in der Oberschaltzentrale, für Stromausfall war ein Dieselaggregat vorhanden. Bei einer Feuerhöhe von 17 m über Mittelhochwasser war das heute nicht mehr in Betrieb befindliche Feuer 13,2 Seemeilen weit sichtbar.

Abbildung Feuerblüse: Rund um den Alten Leuchtturm, Heimatverein Borkum e.V.

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