Westerheversand
Erstes Seezeichen Westerhever war der Turm der 1804 erbauten Kirche es
Kirchspiels Westerhever. Das Kirchspiel war Teil der untergegangenen Insel Utholm.
Der Kirchturm diente den Seefahrern seinerzeit als
Tagessichtmarke.
Im nordfriesischen Wattenmeer hatte sich nördlich der Halbinsel Eiderstedt eine Rinne gebildet, in der der
Gezeitenstrom hin- und herfloss, der sogenannte "Heverstrom". Schon 1847 wurden am Westende diese gefährlichen,
30 Meter langen, Gezeitenstromes auf dem Sand zwei Spierenbaken ausgestellt. Schon bald nach der 20. Jahrhundertwende
entschloss man sich auf diesem im Wattenmeer vorgeschobenen Westerehversand zum Bau eines Leuchtturmes. Der nautische Verein
für die schleswig-holsteinische Westküste beantragte im Jahre 1903 beim königlichen Staatsminister in Berlin zur Verbesserung
der Befeuerung der Westküste den Bau des Leuchtturms Westerheversand und der Türme Hörnum, Pellworm sowie des Feuerschiffes
AMRUMBANK. In waren zu dieser Zeit schon auf Sylt die Türme List-Ost (1857), List-West (1852) und Rotes Kliff (1855)
sowie der Amrumer Leuchtturm (1874).
Mit dem Bau des Leuchtturmes wurde im Jahre 1906 die Isselburger Hütte beauftragt.
Das Baumaterial wurde auf dem Wasserwege bis zum Löschplatz Stuffhusen und anschließend durch einen Lorenbetrieb
über 4 km Feldbahngleise zur Baustelle gebracht.
Zunächst wurde eine 4 Meter hohe Warft als Hochwasserschutz aufgeschüttet
und anschließend mit Pferden festgeritten. Dann trieb man 127 7,75 m lange Kiefernrundpfähle in den Boden und
errichtete auf dieser Gründung den Betonsockel des Turmes. Auf diesem sechseckigen 4,70 m hohen Sockel wurde der
10 geschoßige 40 Meter hohe Turm aus 608 gusseisernen Platten zusammengesetzt, die ein Gewicht von 150 t hatten.
Die Laterne lieferte die Firma Julius Pintsch, Berlin für 14620 Mark. Nun folgte der Innenausbau des Turmes.
Im ersten Geschoss oberhalb des Sockels ist der Akkumulatorenraum und darüber der Raum für die Betriebsmittel.
Es folgten das Kommissionszimmer, der Handwerkerraum und der Hilfswärterraum. In der 9. Etage befindet sich der
Wachraum und darüber der Vorraum zur Laterne. Am Vorraum und an der Laterne befindet sich jeweils eine Galerie.
Als Leuchteinrichtung ist in der Laterne eine 300 mm Gürtelleuchte untergebracht, die mit einer Kohlenbogenlampe betrieben
wurde. Die einzelnen Geschosse sind über eine Wendeltreppe zu erreichen. Als Stromversorgung war bis 1950 ein Dieselaggregat
mit Pufferbatterien im Turm, dann erfolgte der Anschluss an das örtliche Stromnetz. Außerdem wurde ein Notstromaggregat
eingebaut. Die 70V-Gleichstrom-Kohlebogenlampe wurde 1974 durch eine 2000 W-Xenon-Hochdruckentlastungslampe ersetzt.
Die Bauzeit des Bauwerks dauerte vom 26. Mai 1906 bis zum 17. Juli 1907. Die Kennungserzeugung erfolgte früher über
Rohrschlitzblenden.
Das Leuchtfeuer Westerheversand war ursprünglich
Leitfeuer mit Quermarken und ist heute Seefeuer für die Ansteuerung Hever und Schamltief
mit Quermarken für den Heverstrom. Bei einer Feuerhöhe von 41,5 m über Mittelhochwasser ist das Leuchtfeuer
21,3 Seemeilen bis Helgoland sichtbar. In den seitlichen Häusern wohnten die Leuchtturmwärter mit ihren Familien.
Bildquelle: Michael Jacobs, Wasser- und Schifffahrtsamt Tönning
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