Alte Weser
Da der Leuchtturm Roter Sand im Fundament marode war, er für die moderne Technik wenig Platz bot und auch nicht mehr an richtiger Position für die Schifffahrtsstraße Weser stand, musste er 1964 seine Aufgaben an einen Neubau abgeben. Im Trockendock der Kieler Howaldtwerke entstanden 1961 die Stahlteile für den Turm. Vor Beginn der Bauarbeiten in der Wesermündung wurde das Baugelände durch starke Sinkstücke mit Steinauflage in einer Größe von ca. 90x90 mm gesichert. Während das Fundament vom Leuchtturm Roter Sand als Caisson in Sand getrieben wurde, also über Druckluft das Sand-Wasser-Gemisch nach außen befördert werden musste, erledigte beim Leuchtturm Alte Weser ein Grundsaugverfahren das Absenken des offenen Rohres in den Meeresboden. Da es erforderlich war, dass der Gründungskörper Zentimeter genau in einer Senkrechten Lage gehalten werden musste, behalf sich einer Hubinsel. Auch der Bau des Leuchtturms "Alte Weser" bereitete ähnliche Schwierigkeiten wie beim Leuchtturm "Roter Sand". Am 28. Juli 1961 riss stürmische See ein Loch in die Stahlhülle des Gründungsrohr, dabei kamen 2 Arbeiter ums Leben. Beim zweiten gelang es die Hülle in der See zu versenken. Ein weiteren Unfall gab es beim Transport der drei Turmteile zur Baustelle. Am 08. August 1962 rutsche plötzlich die Plattform der Hubinsel an einer Seite ab, fing sich jedoch so, dass das auf ihr liegende Turmteil nicht ins Wasser glitt. Die Bauarbeiten konnten erst mit einer zweiten Hubinsel fortgesetzt werden. Da das Fundament den Angriffen der See und dem Zahn der Zeit viele Jahre trotzen sollte, wurde das Gründungsrohr mit seewasserbeständigem Beton ausgegossen. Der Stahlmantel der durchrosten könnte, diente somit als Gussform. Die von der Werft gefertigten Bauteile enthielten bereits die meisten Einbauten. Sie wurden auf der Baustelle zusammengesetzt.
Die Radaranlage ist die wichtigste Einrichtung des Turmes. Ein großes Gebiet der Deutschen Bucht, die Mündungsgebiete von Jade, Weser und Elbe sind radarkontrolliert. Die Daten, per Richtfunk übertragen und ausgewertet, zeigen auf den Radarschirmen in der Zentrale in Bremerhaven die aktuelle Verkehrssituation in der Alten- und Neuen-Weser bis zur Tonne 19. Der Leuchtturm "Alte Weser" zeigt ein weitreichendes in Sektoren geteiltes farbiges Seefeuer. Früher steuerten Otterblenden die unterschiedlichen Kennungen, wegen der Anfälligkeit dieser mechanischen Konstruktion sind sie jedoch ausgebaut worden. Farbscheiben bilden seither die erforderlichen jetzt fest scheinenden Sektorenfeuer mit Tragweiten von weiß 23, rot 19,2, grün 18 Seemeilen. Die Anlage ist doppelt vorhanden. Der Turm wird von Schmarren an der Wurster Küste über die Leuchttürme "Robbenplate" und "Tegelerplate" über ein 6-KV-Seekabemit Strom versorgt. Bei Ausfall des Stromnetzes schaltet ein Notstromaggregat auf die turminterne Versorgung um. Für die Notstromversorgung können bis zu 10.000 L Diesel im Turm gelagert werden. Ein Frischwassertank enthält 5000 L Wasser zur gelegentlichen Versorgung von Wartungspersonal, des ansonsten heute unbesetzten Turmes. Ohne die Spezialschiffe des Wasser- und Schifffahrtsamtes Bremerhaven wäre kein sicherer Leuchtturmbetrieb möglich. Im Laufe wurden einige Veränderungen am Turm vorgenommen. 1977 demontierte man die Nebel-Schallanlage vom Turmschaft und installierte sie auf das Betriebsdeck; 1985/86 eine große 7,00-m-Radarantenne, der Kran wurde geändert und eine zweiter Kran aufgesetzt; 1987 das Umlauf-Gerüst erneuert, 1998 2 Notstromaggregate ausgebaut und ein neues eingebaut. Eine neue Seekabelverbindung erhielt der Turm 2003. Im Juni 2007 erhielt der Turm eine neue Antennenanlage. Der Bau des Turmes kostete 1964 6,1 Mio. DM, das sind in Euro ca. 15 Mio. Weitere wichtige Daten:
Der Leuchtturm "Alter Weser" hat eine Höhe von 38 über und 23 m unter Wasser. Das Feuer hat eine tragweite von 22 Seemeilen. Teile des Texte wurden von einem Artikel von Rolf Seedorf in der Betriebszeitung des Wasser- und Schifffahrtsamtes Bremerhaven 30. Ausgabe, September/Oktober 2004 übernommen. Zeichnung 1 Zeichnung 2Bildquelle: Hubinsel und Zeichnungen, Archiv Förderverein "Maritimer Denkmalschutz e.V." Übersicht Weser |

